Country-Trash mit viel HumorDM Bob und Jem Finer spielten am Dienstag im Epplehaus
Bob Tooke aus Louisiana, ist Altmeister des Garage-Rocks. Der Engländer Jem Finer war Mitbegründer der legendären Pogues. Zusammen sind sie eines der großartigsten Kleinorchester der Welt.
Haben Pat Cash und John McEnroe ihre Tennisschläger gegen Saiteninstrumente getauscht? Nein, dies sind DM Bob, links, und Pogues-Mitbegründer „Country“ Jem Finer. Eines der großartigsten Kleinorchester der Welt.

Tübingen.
J.J. Cale, der aus Oklahoma stammende Gitarrist, setzte Maßstäbe, was Lässigkeit angeht. Das brotfertigste Schlagzeug aller Zeiten besaß Sulla Bradtke, der ehemaligen Schwoißfuaß-Trommler. – Irgendwo zwischen Attitüde und Abgefucktheit, garniert mit einer guten Messerspitze grenzenlosen Humors bewegt sich „DM (Deutschmark) Bob“ Tooke. Der in Hamburg lebende US-Amerikaner ist vor allem Musiker und Maler. Nebenbei hat er den boxenden Klitschko-Brüdern Englisch beigebracht.
Sein selbst gebautes und bemaltes Schlagzeug ist den 40 Zuhörern bereits das Eintrittsgeld ins Epplehaus wert: Es besteht aus zwei Holzkisten, die DM Bob mit den Füßen bedient. Die größere dient als Basstrommel, die kleinere – mit einer Metallfolie bespannte – als Snare.
Gleichzeitig spielt der Amerikaner verzerrt Gitarre und gelegentlich Mundharmonika und er singt, meist gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Jem Finer. Der Multiinstrumentalist (Gitarre, Lap-Steel, Banjo) hat einst die Pogues, und damit den irischen Folk-Punk, mitbegründet. Vor kurzem baute Finer ein Gerät, das selbständig komponiert, indem es Umwelteinflüsse nützt. Verrückt, aber wahr.
In den Abend führen die Lokalmatadoren Filthy Cowboy Sunset, laut Tastenmann Frank Allmendinger, die „langsamste Band Tübingens“. Oder um es mit einem Zuschauer zu sagen: „Nouvelle Vague ohne Sex. Lou Reed ohne New York. Nick Cave ohne Heroinerfahrung. Aber trotzdem gut.“
Dann ergießt sich Gute-Laune-Swamp-Pop, eine Mischung aus Bluegrass, Blues, Cajun und Tex-Mex von DM Bob ins Epplehaus. Bei Stücken wie „I like to play baseball“, oder „Barbecue Bob“ bekommen vor allem weiße Südstaatler ihr Fett weg. Da wird schrammelig gezupft, schräg gesungen und kräftig gejodelt, etwa beim dritten Stück „Who put the cunt in Cuntrey“. Es treibt einem Freudentränen in die Augen, wenn DM Bob und Jem Finer das Stück „Your heating charm (sic)“ (edit: It's called "Your Heat'n Chart") aus der Feder des eher obskuren Künstlers Wank Hilliams ankündigen. Echte Größe zeigt Jem Finer, als er ein Kornett herauszieht („I believe it‘s a trumpet“) und gesteht, er habe nachmittags erstmals 15 Minuten lang auf dem gerade erworbenen Instrument gespielt. Dafür trifft er erstaunlich viele Töne.
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